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Nach Raketenbeschuss von Tel Aviv: Im Nahostkonflikt droht die Eskalation

  • Militante Palästinenser im Gazastreifen haben am Donnerstag nach Angaben der israelischen Armee mehrere Raketen auf den Großraum Tel Aviv abgefeuert.
  • In der Stadt und ihren Vororten waren am Abend Warnsirenen und Explosionen zu hören.
  • Israelische Kampfjets haben daraufhin in der Nacht zum Freitag mehrere Ziele im Gazastreifen attackiert.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Am Donnerstagabend waren plötzlich Sirenen in Tel Aviv und Umgebung zu hören: Zwei Raketen waren aus dem Gazastreifen abgeschossen worden und die Abwehrsysteme sprangen an. Wer konnte, suchte den nächstgelegenen Bunker auf – zum ersten Mal seit Ende des Gazakrieges 2014. Bürgermeister Ron Huldai ordnete an, dass die Schutzeinrichtungen geöffnet blieben. In den vergangenen Monaten waren vor allem die israelischen Orte rund um den Gazastreifen von Raketen- und Mörserangriffen militanter Palästinenser betroffen. Tel Aviv liegt rund 60 Kilometer vom Grenzübergang Erez entfernt.

Das Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) wurde aktiviert, fing aber keine der Raketen ab, die auf freiem Feld landeten. Es gibt auch keine Verletzten oder Sachschäden. Veranstaltungen wie ein Basketballspiel mit 10 000 Besuchern wurden weiter durchgeführt, auch für Freitag wurden keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen verlautbart.

Premierminister Benjamin Netanjahu, der gleichzeitig auch das Amt des Verteidigungsministers ausübt, fuhr am Abend mit Blaulichteskorte in das Hauptquartier der Armee in Tel Aviv. Was dort im Beisein des noch neuen Generalstabschef Aviv Kochavi und des Geheimdienstchefs Nadav Argaman beschlossen wurde, darüber gab es nach dem Treffen keine Auskunft. Es hieß lediglich, “Entscheidungen wurden getroffen”.

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Nach Raketenangriff aus Gaza

Sirenenalarm in Tel Aviv

Palästinenser feueren aus Gaza zwei Raketen auf Tel Aviv. Israelische Kampfjets attackieren im Gegenzug mehrere Ziele im Gazastreifen.

Die israelische Luftwaffe begann jedoch gegen 1.30 Uhr Ortszeit mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen. Auch wenn die Hamas, so wie andere militante Organisationen im Gazastreifen auch, in Abrede stellte, hinter dem Raketenbeschuss zu stecken, machte die israelische Armee die Machthaber in der Küstenenklave dafür verantwortlich. Laut palästinensischen Angaben wurden Ziele im Norden und im Süden des Gazastreifens sowie Gaza-Stadt angegriffen, es soll sich um Sicherheitsposten der Hamas gehandelt haben.

Angriffe deutlich heftiger als in den vergangenen Tagen

Auch der Hafen bei Khan Yunis soll bombardiert worden sein. Die Angriffe sollen deutlich heftiger ausgefallen sein als in den vergangenen Tagen. Denn einzelne Raketen und mit Brandsätzen ausgestattete Flugobjekte waren wiederholt über die Grenze geschickt worden, die israelische Armee übte daraufhin Vergeltungsangriffe aus.

Das waren kleinere Scharmützel, aber ein Angriff auf Tel Aviv und des dicht besiedelten Zentralraum wurde als ernst zu nehmende Eskalation eingestuft. Selbst die Armee wurde überrascht, wie Sprecher Ronen Manelis eingestand. Eine ägyptische Delegation, die wegen der Verhandlungen über einen längerfristigen Waffenstillstand wieder einmal im Gazastreifen war, verließ die Küstenenklave noch am Abend – auch auf Anraten der israelischen Armee.

Unmittelbar nach Beginn der ersten Vergeltungsangriffe gab es Raketenalarm in israelischen Orten rund um den Gazastreifen. Laut Militärangaben wurde eine Rakete abgefeuert, sie landete aber im Gazastreifen. Rund eineinhalb Stunden später heulten erneut Sirenen: Zwei Raketen wurden Richtung Israel abgeschossen, eine wurde von Iron Dome abgefangen.

Die vom Iran unterstützte al-Sabrin-Organisation unter Verdacht

In rund drei Wochen finden in Israel Parlamentswahlen statt. Politiker vor allem rechter Parteien forderten Netanjahu zu harschen Reaktionen bis hin zur gezielten Tötung von Hamas-Führern auf. Weil die im Gazastreifen regierende Hamas und die zweitgrößte Gruppe, der Islamische Dschihad, die Verantwortung für den Raketenabschuss diesmal vehement in Abrede stellten, geriet eine andere Gruppe in Verdacht: Die vom Iran unterstützte al-Sabrin-Organisation.

Ihr Anführer Hisham Salam soll lokalen Medienberichten zufolge zuvor von der Hamas festgenommen worden sein. Um der Hamas zu schaden, könnte diese Gruppe Tel Aviv ins Visier genommen haben, so die Vermutung von Sicherheitsexperten.

Wenn die auf den Großraum Tel Aviv abgefeuerten Geschosse gefunden werden, könnte der Urheber leichter identifiziert werden, da die einzelnen Gruppen im Gazastreifen Raketen unterschiedlichen Typs einsetzen. Mit Spannung wird erwartet, welche Entscheidungen Netanjahu getroffen hat, die er im Laufe des heutigen Freitags der Öffentlichkeit mitteilen wird.

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