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Nach Terroranschlag auf Moscheen: Neuseeland will Waffengesetze verschärfen

Rund 21 Stunden nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem mindestens 49 Menschen starben, will Neuseeland erste Konsequenzen ziehen: “Unsere Waffengesetze werden sich ändern”, sagte Premierministerin Jacinda Ardern. Der Tatverdächtige habe im November 2017 einen Waffenschein erworben. Bei ihm seien fünf Schusswaffen gefunden worden, darunter zwei halbautomatische, die er legal habe erwerben können.

Zur Zeit des Freitagsgebets hatte ein Mann in der Al-Nur-Moschee von Christchurch mit einer Schnellfeuerwaffe um sich geschossen. Seine Tat filmte er mit einer Helmkamera und übertrug die Bilder ins Internet. Die Polizei zählte am Tatort 41 Leichen. Einige Zeit später wurden in einer anderen Moschee der Stadt weitere Menschen erschossen. Der mutmaßliche Haupttäter sowie zwei weitere Verdächtige wurden festgenommen. Der Täter soll den Anschlag in einem “Manifest” im Internet ankündigt haben. (Lesen Sie hier alles, was wir zu dem Fall wissen)

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Terror in Christchurch: Angriff auf zwei Moscheen

Bei seiner ersten Anhörung vor Gericht wurde der Australier offiziell des Mordes beschuldigt. Weitere Anschuldigungen würden folgen, teilte die neuseeländische Polizei mit. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen. Der australische Premierminister Scott Morrison hatte den Angreifer als “rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen” bezeichnet.

Bei dem Attentat waren auch 42 Menschen teils schwer verletzt worden. Zwei Verletzte waren am Samstagmorgen (Ortszeit) noch in kritischem Zustand, darunter ein vierjähriges Kind.

Hat der Tatverdächtige einen Bezug zum Balkan?

Die Polizei verstärkte die Maßnahmen zum Schutz muslimischer Veranstaltungen und rief die Bürger über Twitter auf, Verdächtiges sofort zu melden. “Es gibt keine Garantie, dass die Gefahr auf Canterbury begrenzt ist, und alle Neuseeländer müssen besonders wachsam sein”, hieß es.

Unterdessen ist bekannt geworden, dass der bulgarische Geheimdienst mögliche Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters auf den Balkan prüft. Denn das angebliche Video der Tat, dessen Verbreitung die Polizei stoppen will, zeigt auf Waffen des Angreifers Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Dem bulgarischen Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow zufolge hat der Australier außerdem im November 2018 historische Orte in Bulgarien besucht.

Der Mann sei im Herbst 2018 von Dubai nach Bulgarien geflogen und habe auch Rumänien und Ungarn bereist, sagte Zazarow. Bereits im Dezember 2016 sei er nach Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien gereist. Die bulgarischen Geheimdienste arbeiteten in dem Fall mit den Diensten der betreffenden Staaten zusammen.

In Neuseeland leben etwa 50.000 Muslime, meist Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Bei dem Attentat seien neben Neuseeländern auch Menschen aus Pakistan, der Türkei, Saudi-Arabien, Indonesien und Malaysia getötet worden, sagte Premierministerin Ardern. So ist die Cricket-Nationalmannschaft von Bangladesch dem Anschlag offenbar nur knapp entkommen.

Im Video: Wie eine Deutsche in Christchurch die Stimmung in der Stadt erlebt

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Weltweit löste die Tat Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Attacke sei gegen Muslime gerichtet und damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die “abscheuliche, feige” Attacke.

Trump hält rassistischen Nationalismus nicht für wachsende Gefährdung

US-Präsident Donald Trump sicherte Ardern in einem Telefonat jedwede Hilfe der USA zu. Zugleich machte er deutlich, dass er keine wachsende Gefährdung durch einen rassistisch inspirierten weißen Nationalismus sieht. “Ich denke, das ist eine kleine Gruppe Menschen”, sagte Trump mit Blick auf die Extremisten. Auf die Frage, ob weißer Nationalismus ein wachsendes Problem auf der Welt sei, antwortete er, er glaube das “wirklich nicht”.

Im dem “Manifest”, das dem mutmaßlichen Attentäter zugeschrieben wird, hatte dieser den Präsidenten gelobt: Trump sei “das Symbol einer erneuerten weißen Identität”. Trump sagte in Washington, dass er das Papier “nicht gesehen” habe.

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