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RuNet: Russland will sich testweise vom globalen Netz abtrennen

Internjet, Internet ohne Inter: Die Witze über das Projekt werden schon seit Jahren gemacht, aber jetzt wird es möglicherweise ernst. Noch vor dem 1. April, berichtet das als seriös geltende russische Medienunternehmen RBK, werden die Internetprovider im Land testweise den russischsprachigen Teil des Internets (RuNet) vom restlichen Netz abtrennen.

Denn im April endet die Frist zur Einreichung von Änderungseinträgen für einen Gesetzentwurf, der diese Trennung für den Fall eines Angriffs aus dem Ausland vorsieht. Erstmalig ins Parlament eingebracht wurde der Entwurf im Dezember 2018, laut RBK hat Präsident Wladimir Putin ihn bereits gebilligt. Am heutigen Dienstag wurde er in erster Lesung angenommen. 334 Abgeordnete stimmten dafür, 47 dagegen.

Der Plan an sich ist deutlich älter, er wurde bereits 2014 im nationalen Sicherheitsrat beschlossen. Und schon 2012 hatte Russland über die Internationale Fernmeldeunion ITU – wenn auch letztlich erfolglos – versucht, bestimmte Elemente der globalen Internetregulierung so umzugestalten, dass es sie bei Bedarf auch alleine umsetzen kann.

Schutz vor ausländischen Aggressoren und Zensur der Bevölkerung

Ziel des Umbaus ist es, sämtlichen innerrussischen Internetverkehr über Austauschknoten und Server im eigenen Land leiten zu können, die von der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor kontrolliert werden. Außerdem soll in Russland ein eigenes, vom Rest der Welt unabhängiges Domain Name System (DNS) entwickelt werden.

Das Ganze soll zum einen dafür sorgen, dass russische Onlinedienste auch noch funktionieren, wenn ausländische Mächte im Konfliktfall die Verbindungen aus Russland nach außen kappen sollten. Zum anderen könnte Roskomnadsor sicherstellen, dass innerrussischer Datenverkehr etwa in Form von E-Mails im Land bleibt und nicht mehr einfach abgefangen und analysiert werden kann.

Kosten werden derzeit nur geschätzt

Allerdings ließe sich in so einem Netz auch die eigene Bevölkerung umfassend überwachen und zensieren. Der Gesetzentwurf sieht nach Angaben des Internet Governance Projects am Georgia Institute of Technology sogar ausdrücklich vor, dass Roskomnadsor die Durchleitung von Mail-, Messaging- oder Social-Media-Traffic stoppen kann.

Die wichtigsten Provider des Landes und angeblich auch die Diensteanbieter Yandex und Mail.ru stehen hinter dem Plan, haben aber technische Bedenken. Der Testlauf soll zeigen, ob und wie die russischen Teilnetze die Abtrennung vom Rest der Welt verkraften.

Abgesehen von den erwarteten technischen Schwierigkeiten könnte das Gesetz auch finanzielle Probleme bereiten. Laut RBK werden die Kosten für den Umbau der Internetinfrastruktur derzeit auf rund 48 Milliarden Rubel geschätzt, das entspricht umgerechnet knapp 650 Millionen Euro. Der Test könnte aber auch ergeben, dass es deutlich teurer wird – erst recht, wenn es zu technischen Störungen im RuNet kommt. Die Regierung will die Kosten für den nötigen Umbau der Infrastruktur tragen.

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