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Tragödie in Frankreich: Das “Herz von Paris” brennt

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Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück.

(Foto: REUTERS)

Eine riesige Rauchsäule steht über einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt – der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Flammen schlagen lichterloh aus dem Dachstuhl. Nicht nur Paris ist entsetzt.

Das “Herz von Paris” steht in Flammen: Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame bewegt wenige Tage vor Ostern die ganze Welt. Denn die einzigartige gotische Kirche ist nicht nur Pariser Wahrzeichen, sie ist auch Weltkulturerbe. Als einer der Ersten reagiert am Montagabend Präsident Emmanuel Macron, der auf Twitter schreibt, er teile die “Gefühle einer ganzen Nation”. Wie alle Franzosen sei er an diesem Abend traurig, “diesen Teil von uns brennen zu sehen”.

Schockiert und entsetzt zeigen sich zahlreiche Pariser und Touristen, die am Ufer des Flusses Seine nahe der Île de la Cité zusammenströmen. “Das ist eine Tragödie”, sagt Philippe, der mit seinem Fahrrad vorbeigekommen ist. “Wir bereiten uns auf Ostern vor – wenn es irgendeinen Moment zum Beten gibt, dann jetzt.” Eine Frau sagt den Tränen nah: “Notre-Dame ist Paris, sie ist ein Teil von uns.”

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz – und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reichte nicht für eine umfassende Sanierung. Deshalb war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden, um die Instandsetzung zu finanzieren.

“Schreckliche Bilder”

Erst 2012 wurde die Kathedrale zur 850-Jahr-Feier ihres Bestehens herausgeputzt. Bis zu 14 Millionen Besucher bewundern jedes Jahr die Türme und Glocken, Wasserspeier, Fenster und Rosetten, die Victor Hugo im “Glöckner von Notre-Dame” von 1831 so leidenschaftlich beschrieben hat. Nun geht alles in Flammen auf, was seit dem 12. Jahrhundert so aufwändig entstanden ist.

Unklar ist, ob es sich um ein Unglück oder Brandstiftung handelt. Die Fassade der Kirche wird zur Zeit aufwändig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen, auf dem Dach sind Baugerüste angebracht.

Den Einsatzkräften zufolge bricht der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitet sich rasend schnell aus. Der berühmte Kirchturm fällt den Flammen als erstes zum Opfer und stürzt ein. Die Feuerwehr kämpft mit einem Großaufgebot gegen den Brand, der den Pariser Abendhimmel erleuchtet.

“Es ist furchtbar”, sagt auch die britische Touristin Nathalie Cadwallader. “Und das nach all den schrecklichen Ereignissen in Paris”, betont die 42-Jährige unter Anspielung auf die islamistische Anschlagsserie in Paris seit Januar 2015.

Auch in Deutschland ist das Entsetzen groß: Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären, es tue “weh, diese schrecklichen Bilder” der brennenden Kathedrale zu sehen. Notre Dame sei nicht nur ein Symbol Frankreichs, sondern der europäischen Kultur.

Die weltberühmte Kathedrale hat die Wirren und Zerstörungen der Französischen Revolution überstanden, und auch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Ihre Glocken läuteten am 25. August 1944 die Befreiung von den Nazis ein. Nun ist offen, wie viel die Flammen von dem weltberühmten Denkmal übrig lassen.

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