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“Welt wird Aramcos Spielplatz”: Saudischer Ölgigant will weltweit fördern

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Auf der Suche nach neuen Quellen: Ein Aramco-Explorationsteam in der saudischen Wüste.

REUTERS

Saudi-Arabien sitzt auf den zweitgrößten Ölreserven der Welt. Doch das reicht dem Königreich offenbar nicht. Der staatliche Ölkonzern soll künftig weltweit Öl und Gas fördern. In der Heimat steht dagegen eine deutliche Kürzung der Förderung an.

Allein die Förderung des heimischen Öls hat den saudischen Staatskonzern Aramco zum größten Ölkonzern der Welt gemacht. Doch das reicht der Regierung um den ehrgeizigen Kronprinzen Mohammad bin Salman offenbar nicht mehr. Erstmals in seiner Geschichte will das Unternehmen global expandieren und auch im Ausland Öl und Gas fördern. Künftig werde “die Welt Saudi Aramcos Spielplatz sein”, kündigte der saudische Energieminister Khalid al-Falih im Interview mit der “Financial Times” an.

Die Ölreserven Saudi-Arabiens, die Aramco als Monopolisten in der Heimat zur Verfügung stehen, sind nicht nur die zweitgrößten der Welt – nach Venezuela – sondern gelten auch als vergleichsweise einfach und kostengünstig zu fördern. Dennoch sieht al-Falih eine Notwendigkeit für Aramco im Ausland zu expandieren. Denn seine Regierung will ausländische Investoren für den Konzern gewinn. Ein angekündigter Börsengang wurde zwar auf unbestimmte Zeit verschoben. Hinter den Kulissen hatte es geheißen, dass das Unternehmen die vom Königshaus erwartete Bewertung von zwei Billionen US-Dollar nicht annähernd erreichen könne. Die von al-Falih präsentierten internationalen Expansionspläne dürften Teil der Bemühungen sein, potenziellen Investoren eine zusätzliche Wachstumsstory zu präsentieren. 

Der Konzern plane, kurzfristig Anleihen bei internationalen Investoren aufzunehmen, so al-Falih gegenüber “FT”. “Wenn ich Investoren aus New York, London oder Tokyo habe, die in Saudi Aramco investieren, dann wollen die, dass Saudi Aramco mit den besten Ölkonzernen der Welt konkurriert.”

Öl bleibt wichtige Einnahmequelle

Mit den Expansionsplänen macht al-Falih deutlich, dass Saudi-Arabien allen Reformplänen zum Trotz weiter massiv in die Ölförderung als wichtigste Stütze seiner Wirtschaft investieren will. Kronprinz Muhammad selbst hatte einst von einer “gefährlichen Abhängigkeit” seines Landes zum Öl gesprochen und mit seiner Vision 2030 einen milliardenschweren Plan zu Umstrukturierung der saudischen Wirtschaft vorgelegt. Laut al-Falih wird allerdings der Ölsektor selbst bei einer erfolgreichen Umsetzung der Reformen auch langfristig für 40 bis 50 Prozent der Einnahmen des Königreiches sorgen.

Zunächst soll sich Aramco bei seinen Expansionsplänen laut al-Falih auf die Etablierung eines internationalen Geschäftsfelds für Erdgas konzentrieren. Dafür seien Investitionen in Russland im Gespräch und auch eine Beteiligung an Gas-Exportprojekten in den USA. Der Minister nannte auch Australien als möglichen Investitionsstandort.

Angesichts des in den vergangenen Monaten wieder unter Druck geratenen Ölpreises will Saudi-Arabien heimische Ölförderung dagegen kurzfristig weiter deutlich reduzieren. Im März solle die Produktion, die im November noch bei über elf Millionen Fass pro Tag gelegen hatte auf unter zehn Millionen fallen. Ein Fass der internationalen Referenzsorte Brent kostet derzeit gut 60 Dollar. Um seine Staatsausgaben decken zu können, benötigt Saudi Arabien aber einen Preis von etwa 80 Dollar pro Fass.

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